汉语里尔克 汉语里尔克 so leben wir und nehmen immer Abschied. 2018年09月26日 3:37:28
Übertragung und Forschung über Rainer Maria Rilke
德语诗人里尔克的汉译与研究
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Der Schauspieler

Rainer Maria Rilke


(上传时间:2010-6-3 13:50:39  修改时间:2010-6-3 13:51:35)

Am Bett des kranken Weibs mit Bangen
sitzt sorgerfüllt ihr armer Mann,
sieht ängstlich ihre roten Wangen
und die verglasten Augen an.

»Mein Gott! send jegliches Verderben,
still trag ich es nach dem Gebot,
nur laß mein teures Weib nicht sterben,
mein Gott, erhör mich in der Not!

Nur einen Hoffnungsstrahl, nur einen
senk nun in mein gefoltert Herz,
gewähre Linderung den Deinen
in ihrem grenzenlosen Schmerz.

Erhöre, Vater, dieses Flehen,
gewähre, Vater, Linderung
und laß mich heut nicht untergehen
in wütender Verzweifelung....«

Da wie im Taumel aufgerissen
fährt, während ihre Wangen glühn,
sein Weib in ihren harten Kissen
empor aus Fieberphantasien!

»O Harry, reich mir deine Hände,«
ruft sie, »verlaß jetzt nicht dem Weib,
bald ist ja alles wohl zu Ende,
geliebter, teurer Harry, bleib!« —

»Ich kann, ich kann — nicht länger weilen,
fort muß ich, wenn mein Herz auch bricht —
hin muß ich zum Theater eilen,
mein armes Weib, mich ruft die Pflicht.«

»O höre nun aus meinem Munde
mein letztes Flehn, so klein doch schier —
in dieser letzten, schweren Stunde,
mein treuer Harry, bleib bei mir!« —

Da wendet er den Blick, den nassen,
zum Himmel auf, von Schmerz bewegt....
Soll er sein armes Weib verlassen,
wenn ihre letzte Stunde schlägt? —

Mein Gott! wie drängt sichs ihm zum Herzen—
zuviel der Leiden, ach! zuviel;
dort im Theater unter Scherzen
soll er erfreuen durch sein Spiel.

Und während dort er unter Lächeln
sich um des Volkes Gunst bewirbt,
liegt hier sein Weib im Todesröcheln
verlassen und allein — und stirbt! —

Und doch — er muß! kaum kann ers fassen,
›muß‹ spielen heute — gälts den Tod —
sonst ist er morgen schon entlassen
und ohne Geld und ohne Brot.

Noch hält er fest sein Weib umfangen —
da schlägt die achte Stunde schon —....
Jach springt er auf — mit Sorg und Bangen
und reißt sich los — und stürzt davon!

Kaum kommt er hin, so soll er spielen
mit Sing und Sang, mit Tanz und Sprung,
und doch in seinem Innern wühlen
der Schmerz und die Verzweifelung.

Nachdem er halb im Schlaf, halb wachend,
mit einem Trunke sich gekühlt,
stürzt er hinaus, wild, seltsam lachend
und spielt — er weiß nicht, was er spielt.

Er möcht am liebsten knien und beten,
denn immer wieder kommts ihm für:
jetzt ruft vielleicht in Todesnöten
dein armes, armes Weib nach dir.

›Dieweil ich hier mit schalen Scherzen
zum Lachen reizen muß den Schwarm,
wühlt schon der Tod in ihrem Herzen
und nimmt sie in den kalten Arm!

O mög mir Gott doch Stärke schenken
wie es im Innern wallt, das Blut‹....
Er ist nicht fähig mehr zu denken,
er spielt und weiß nicht, was er tut! —.....

Wie sich die Akte endlos dehnen ...
Doch endlich ist die Posse aus,
und all sein Hoffen, all sein Sehnen
treibt ihn zum teuren Weib nach Haus.

Und durch die Gänge, durch die Hallen
stürzt er nun fort, hinaus, hinaus,
hört noch von fern herüberschallen
aus dem Theater den Applaus.

Es scheint ihm so, als hör er rufen,
ganz leise dringen an sein Ohr. —
Schon steht er vor des Hauses Stufen,
doch weh! versperret ist das Tor.

Allmächtger Himmel, hab Erbarmen!
Nichts hemmt ihn mehr in seinem Lauf,
er stemmt sich an mit seinen Armen —
ein Krach — und klirrend springt es auf.

Er zittert für des Weibes Leben —
kaum halten seine Füße Stand —
zum Bette stürzt er hin mit Beben —
da faßt er eine starre Hand. —

Wild reißt den Vorhang er zurücke,
herein huscht bleich des Mondes Strahl;
doch er sieht mit erstarrtem Blicke
der Teuren Antlitz tot und fahl.

Da hört er rings um sich ein Krachen,
es tobt und wühlt in seinem Sinn,
und er, er stürzt mit wildem Lachen
ohnmächtig auf den Boden hin. —

Sie fanden ihn am nächsten Tage,
er fuhr wie aus dem Traume schwer...
Doch schon verstummt war seine Klage
und keine Träne hatte er.

Er wankte hin zur Toten wieder —
doch seinen Geist umhüllte Nacht —
er setzte sich am Bette nieder
ganz still und stumm und lacht — und lacht.

Summt vor sich eine muntre Weise,
aus jenem Stück die Melodie —
und murmelt zu sich lächelnd leise ....
».... Jetzt mach ich einen Sarg für sie.....«

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